Erstkontakt mit einem Land, von dem wir wenig wussten.
Touchdown auf dem Flughafen in Chengdu. Etwa drei Stunden ist die kleine Boing durch die Luft geschaukelt, ein kurzes Nachspiel nach dem 9-Stunden-Flug von Berlin nach Peking. Es ist früher Nachmittag, als wir unsere Jacken und Taschen aus dem Gepäckfach klauben. Wir sind der Zeit entgegengeflogen, China war uns sieben Stunden voraus. Die Nacht haben wir übersprungen, auch wenn unsere reisemüden Körper das nicht so richtig glauben wollen.
Gleich der erste Eindruck von Chengdu macht klar, worum es hier geht. Es sind Pandas. Chengdu beherbergt das Panda-Research-Center, oder, korrekt benannt, die „Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding“. Dort leben etwa zweihundert Tiere, unter anderen auch Pit und Paule, die 2019 geborenen Zwillingssöhne der Berliner Pandas.

In Chengdu wird man schon bei der Gepäckabholung von Pandas begrüßt.
Die Zahl der in Freiheit insgesamt noch lebenden Pandas wird 2025 auf knapp 2.000 geschätzt. Im Vergleich zur Masse der Kunstpandas, die uns in Chengdu begegnen, ist diese Zahl verschwindend gering. Es müssen Millionen Plastik- und Plüschtiere sein. An jeder zweiten Straßenecke locken Läden mit Pandamützen, Pandastickern, Pandabildern. Die Mülleimer tragen Pandaohren, die Busse auch. Erwachsene Menschen laufen mit Pandahüten durch die Stadt. Auch auf der Mittelkonsole des Kofferbandes, von dem wir unsere Rucksäcke holen, hat jemand Plastikpandas installiert. Und im Merchandising-Bereich des Flughafens findet man natürlich auch welche, rot und weiß, in jeder Größe und Flauschigkeit.

Rund 50 Plüschpandas – das wären rund 2,5 Prozent des Wildtierbestandes.
Unser Hotel hat uns einen Abholservice organisiert, und da wir neu sind in der Stadt, und wirklich müde, sind wir dankbar für das krakelige Schild mit der Aufschrift „Wenyun Courtyard Hotel“, das uns ein schweigsamer Mann in kanariengelber Daunenjacke am Ausgang entgegenstreckt. Wir folgen ihm zügig durch Eingangshalle und Parkhaus und lassen uns auf den Rücksitz sinken, während er das Elektroauto durch den Chengduer Verkehr lenkt.
Rund zehn Millionen Einwohner soll die Stadt haben, aber man merkt es ihr nicht an. Chengdu hat ein glitzerndes Megacity-Zentrum, das wir erst am dritten Tag entdecken, als ich eine neue Schutzhülle für mein Handy suche.

Das Stadtzentrum von Chengdu. Keine Pandas – aber auch hier viele schwarz-weiß gekleidete Menschen. 🙂
Davor sind wir durch grüne Parks gelaufen, haben exotischen Vögeln zugehört (Bülbüls), goldene Pagoden bewundert, auf kleinen Straßenmärkten die Auslagen bespäht, uns gefragt, weshalb die Motorroller Plüschhüllen tragen, die aussehen wie umgearbeitete Wickeldecken für Babys, – und natürlich die Pandas besucht. Woah, was für ein Event. Menschenströme, die sich durch eine riesige Anlage bewegen, mit Dutzenden, vielleicht Hunderten von Gehegen. Und in jedem sind Pandas zu sehen. Die einzige Frage, die sich vor den Gehegen stellt, ist – sind rote Pandas darin? Oder das schwarz-weiße Standardmodell? So richtig fasziniert waren wir zuerst nur von den Besucherinnen und Besuchern (erstaunlich schick gekleidete Menschen). Als wir dann vor einem Gehege standen, in dem eine Pandamutter fachkundig Bambus verzehrte und ihre zwei Kids um sie herumtollten, waren wir doch angetan.
Obwohl das Ganze ein riesiges Merchandising ist, hat es mir gefallen, wie stark sich die Menschen mit „ihren“ Pandas identifizieren. Angeblich nehmen die Schutzbemühungen für die frei lebenden Pandas tatsächlich zu, und solange das Interesse an Plüschpandas mit dem Einsatz für den Schutz der wild lebenden Tiere korreliert, ist es ja in Ordnung.



Über Pandas gelernt habe ich übrigens auch etwas. Es sind echte Bären, die tatsächlich nur Bambus und Äpfel fressen, und somit nahrungstechnisch (für Bären) etwas auf Abwege geraten sind. Obwohl sie streng vegetarisch leben, heißt das nicht, dass sie harmlos sind. Kommt man ihnen zu nahe, oder stellt sich zwischen eine Pandamutter und ihr Kind, kann das ungut ausgehen. Es gab im Pandazentrum bereits mehrfach schwere Verletzungen, Todesfälle aber wohl noch nicht.
Noch etwas haben wir in Chengdu gelernt: Ganz ohne Bargeld U-Bahn zu fahren. Man checkt sich mit seinem Handy ein, auf dem man vorher „Alipay“ installieren muss, die Allround-App für alle Bezahlvorgänge in China (neben WeChat, aber das haben wir auf dieser Reise noch umgangen). Dann steigt man ein, und staunt als Mensch aus Berlin, was moderne Technik so alles kann. In jedem Wagen wird angezeigt, in welchem Abschnitt des Zuges er sich befindet, wo er halten wird, was an den Stationen zu erwarten ist, die kommen, und noch einiges mehr.
Zusatzinfo für Pandafreunde: Auch die Berliner Pandas sind weiter Eigentum von China. 2017 wurde der Vertrag erneuert, sie sind jetzt für 15-Jahre an den Berliner Zoo „vermietet“. Dieser zahlt jährlich rund 920.000 Euro als Leihgebühr für die beiden Tiere. Kinder bleiben im Eigentum der Chengdu Research Base bzw. des Landes China: Daher leben Pit und Paule jetzt wieder in Chengdu, und auch die neuen Kinder reisen irgendwann in das Heimatland ihrer Eltern. Pit und Paule heißen jetzt übrigens Mengxiang und Mengyuan. Das ist ihnen offensichtlich ziemlich egal.




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