Teil 10: Das Tor zu den Tropen

Jinghong liegt am Mekong. Hier geht es ums Essen.

Da ist er. Ingo und ich halten den Atem an und spähen durch die Palmen. Zwischen den Blättern kann man ihn fließen sehen, grünblau, stark strömend. Und breit, sehr breit: der Mekong, in China Lacang genannt. Dieser Fluss hatte für mich immer eine Verheißung von Ferne, und jetzt an seinem Ufer zu stehen, fühlt sich tatsächlich besonders an.

Am Abend vorher sind Ingo und ich mit dem Schnellzug angekommen, haben uns von einem Didi zur Jungendherberge bringen lassen (13 Euro für ein Zweibettzimmer) und uns auf die Suche nach Abendessen gemacht. Aber davon gleich mehr. Jetzt, am Vormittag des nächsten Tages, sind wir durch ein paar enge Gassen gelaufen, den winkenden Armbewegungen einer Gruppe Chinesen gefolgt und tatsächlich an der breiten Uferpromenade gelandet, die in der Tropenstadt Jinghong am Mekong (bzw. Lacang) entlangführt. Begeistert sehen wir den Anwohnern zu, wie sie den maximalen Erlebniswert aus ihrem Fluss herausholen. Trotz Schildern, die vor der starken Strömung warnen, tauchen sie eifrig im Wasser umher, vermutlich auf der Suche nach essbaren Tieren. Oder sonnen sich auf einem Betonsteg, der weit in den Mekong hineinragt und regelmäßig überflutet wird.

Die Strandpromenade von Jonghing bei Tag und bei Nacht. Unser erster Blick auf den Mekong. Unten: Drei mutige junge Männer, kurz nachdem sie alle anderen vom Steg geschickt haben und kurz bevor ein Boot vorbeifährt.

Am Abend wird diese Promenade zum Showroom: Über riesige Boxen wird das Umfeld mit Karaoke beschallt, Tänzerinnen und Tänzer proben zu selbst mitgebrachter Musik, etwas weiter flussaufwärts trifft sich die Hunde-Community und lässt ihre Vierbeiner miteinander toben. Tagsüber sieht man Menschen, die Thai-Chi üben oder einfach spazieren gehen.

Aber nun zum Essen. „Wo gibt es hier noch etwas zum Abendessen?“, fragen wir den Mann an der Rezeption. Er schickt uns über die Straße. Dort reihen sich kleine Lokale aneinander, die alle das Gleiche anbieten, sogenanntes „Chinese Barbecue“. In großen Auslagen sind Holzspieße ausgestellt, auf den alles steckt, was nur irgendwie essbar ist. Darunter sind sehr leckere Sachen wie Bohnen, Kohl, Kartoffeln und Pilze, und für Nicht-Vegetarier auch einiges, was den westlichen Gewohnheiten entspricht. Geht es ums Fleisch essen, gehen die Auffassungen darüber, was essbar ist und was nicht, doch etwas auseinander. In den Auslagen ruhen neben den üblichen Hühnerfüßen auch Gehirne, Gedärme, Dinge, die wir nicht einordnen können und dann Reptilien-oder Vogelfüße, die eindeutig zu groß sind für Hühner und auch nicht die richtige Farbe haben. Ich hoffe, dass es eine größere Laufvogelart aus menschlicher Haltung war – Wildfänge aus dem nahe gelegenen Dschungel sind hier durchaus ein Thema.

Oben: Ingo beschaut das Angebot an Spießen. Unten (v.l.): Schweinehirn und vermutlich Darm, Ingo wählt aus, mittig auf grüner Schale: Hühnerfüße. Unten: Köchin in einer Frühstücksgarküche. Dort gab es Nudelsuppe.

Getoppt wird die Exotik am nächsten Abend auf dem Nachtmarkt, der sich über eine lange Strecke durch die Stadt und am Fluss entlangzieht. Hier reiht sich Garküche an Garküche, und neben dem Chinese Barbecue bekommt man auch frittierte Spinnen und Insekten.

Spinnen und Skorpione, kross frittiert. Wir können nur die gegrillten Zikaden beurteilen. Die waren nicht schlecht.

Das Essen auf Stöckchen ist hier tatsächlich die herausragende Art des Dinners. Tagsüber sieht man in vielen Seitengassen Menschen, die schwatzend zusammensitzen und Hunderte dieser Spieße vorbereiten.

Was uns an Jinghong noch gefällt: Die tropischen Alleen mit Elefantenstatuen, die Tempel und – das fällt uns hier zum ersten Mal auf – Ampeln, die die Zeit bis zur nächsten Grünphase anzeigen. Eine geniale Idee. Man schaut einmal hin, sieht „Ah, noch 87 Sekunden, bis es grün wird“, und entspannt sich. Springt die Ampel um, bleiben die Schwärme der Elektroroller und E-Autos stehen, und die Fußgänger strömen über die Straße.

Wenn sie es erstmal zum Haushund geschafft haben, geht es vielen sehr gut. Dieser hat offenbar auch einen Hundefrisör.

Was ich lieber nicht gesehen hätte: Die Straße, in der Haustiere verkauft werden. Das fällt unter die Kategorie „Dinge, die ich niemals wissen wollte.“ Na gut, nun weiß ich´s.

Und ganz zum Schluss noch ein Bild aus der Skyline von Jonghing und dazu die (gerne interaktive) Frage: Wer baut so etwas? Und warum? Oh Mann.


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